
Die Upanishaden – allgemeiner Überblick
Die Upanishaden sind die ältesten Weisheitsschriften Indiens, in denen Yoga wurzelt (vgl. Skuban 2017: 50). Die Wörter <upa> („in der Nähe“), <ni> („nieder“) und <sad> („sitzen“) heißen zusammen übersetzt so viel wie „in der Nähe eines Lehrers bzw. Erzählers sitzen“ (vgl. Easwaran 1999: 16). Ursprünglich galten sie auch als Geheimlehre (vgl. Becker).
Die Upanishaden sind Teil der Veden. Sie bilden immer den zweiten Teil dieser, wobei sie im Gegensatz zum jeweils ersten Teil der Veden allgemeine Weisheiten beinhalten und damit relativ unabhängig vom jeweils ersten Teil der Veden sind. Denn der erste Teil der Veden ist jeweils mehr auf bestimmte Riten und religiöse Handlungen einer Religion bezogen. Sie blicken also nach außen. Es geht um äußere Handlungen der Verehrung und Ehrfurcht. Bei den Upanishaden ist dies nicht der Fall. Sie sind eher auf das innere des Menschen ausgerichtet (vgl. Easwaran 1999: 16-18).
Wie viele Upanishaden es ursprünglich einmal gab und wer die Texte verfasst hat ist unklar. Allerdings gelten seit dem Mystiker Shankara aus dem 8. Jahrhundert ca. zehn als Hauptupanishaden (vgl. Easwaran 199: 17).
„Verfasst“ ist dabei jedoch eigentlich nicht das richtige Wort, da man sagt, dass die Upanishaden nicht menschlichem Denken entsprungen sind, sondern eher so etwas wie Offenbarungen sind. Sie sind also Botschaften des Höchsten oder auch von Brahman. Deshalb werden sie auch als Shruti – also „gehört“ – bezeichnet. Diese Botschaften haben namenlose Weise oder Rishis (Seher oder mythische Weise) im Zustand der Meditation empfangen (vgl. Skuban 2017: 50).
Jede einzelne Upanishad ist in sich geschlossen (vgl. Easwaran 1999: 17).
Sie sagen uns, dass es eine dem Leben zugrunde liegende Wirklichkeit gibt, die Ritualenicht erreichen können, neben der die Dinge, die wir im Alltag sehen und berühren, bloße Schatten sind. Sie unterrichten uns, dass diese Wirklichkeit die Essenz jedes erschaffenen Dings oder Wesens und unser wahres Selbst ist, sodass jeder/jede von uns eins ist mit der Kraft, die das Universum erschuf und es erhält. Und schließlich bezeugen sie, dass dieses Einssein unmittelbar realisiert werden kann, ohne die Vermittlung von Priestern oder Ritualen oder organisierter Religion, und zwar nicht nach dem Tode, sondern in diesem Leben, und dass dies der Zweck ist, zu dem jeder/jede Einzelne von uns geboren wurde – und das Ziel, auf das sich die Evolution zubewegt. Sie lehren letztlich die Grundprinzipien dessen, was Aldous Huxley als die ‘immerwährende Philosophie’ (Philosophia perennis) bezeichnete, die der Quell allen religiösen Glaubens ist (Easwaran 1999: 19).
Oder in anderen Worten: „Es heißt, die Upanishaden brächten ewig gültige Wahrheiten zum Ausdruck […], die den Menschen am Beginn eines jeden neuen Zeitalters aufs Neue überbracht würden“ (Skuban 2017: 50).
Quellen:
Becker, Herbert: „Upanishaden – Perlen altindischer Weisheit“, in: Schopenhauer und Indien, schopenhauerundindien.wordpress.com/2021/01/24/upanishaden-weisheit/ (01.11.2021). Easwaran, Eknath (Hg.) (11. Auflage 2008): Die Upanischaden, München: Goldmann.
Skuban, Ralph (2017): „Die Upanishaden“, in: Yoga Aktuell, H.104, 50-51.
